Christof Herrmann

Minimalismus

Wir zeigen, dass und wie das geht

Minimalismus



Christof Herrmann ist einer der beiden.

2006 wagte er den Neuanfang.

Er kündigte den Job und die Wohnung - und radelte eineinhalb Jahre durch drei Kontinente.

Das hat ihn verändert. Bis heute.

Seitdem hat der 44-Jährige sein Leben vereinfacht: Inzwischen wohnt Christof in einer Ein-Zimmer-Wohnung in Nürnberg, hat kein Auto, besitzt nur das, was für ihn kein Ballast darstellt. Und er ist Autor einer der größten Minimalismus-Blogs in Deutschland.

Was sich alles geändert hat, erzählt er im Audio links.

"Blicke ich zurück, wie ich vor einem Jahrzehnt gelebt habe, erkenne ich mich nicht wieder. Ich wog trotz schlankem Körperbau 99 Kilo; raste werktags im Firmenwagen mit 200 Sachen über die Autobahn zu meinem verhassten IT-Job und abends wieder zurück; bewegte mich kaum; verschlang aus Frust und Unkenntnis zu viel Süßes, Fleisch und Milchprodukte; kaufte Berge an Tonträgern und Büchern, die ich aus Zeitmangel kaum hören und lesen konnte; flog zweimal im Jahr in den Urlaub, um dem Irrsinn des Alltags zu entfliehen..."

Während Herrmann noch mit relativ vielen Gegenständen lebt, gibt es noch extremere Minimalisten. Personen, deren kompletter Besitz in einen Rucksack passt oder die weniger als 100 Dinge besitzen.

Er ist allerdings der Ansicht, dass man ruhig mehr Dinge besitzen kann, solange sie einen Zweck haben und sie keine Belastung sind. "Da ich gerne koche und auch öfter mal Gäste da habe, besitze ich am meisten Gegenstände in der Küche. Da brauche ich eben auch mal sechs Teller. Alles andere wäre mehr Aufwand als Nutzen."

Das sind Anne Tieseler, ihr Mann Daniel

und Lars - gerade mal ein Monat alt.

Die drei leben in einer Drei-Zimmer-Wohnung in der Nürnberger Innenstadt. "Wenn man's genau nimmt, nehmen wir das eine Zimmer derzeit nicht wirklich her. Das wird später mal das Kinderzimmer", meint Anne nach einer kurzen Wohnungsbesichtigung.

Anne Tieseler bloggt unter gruenderalltag.de. Minimalismus, Nachhaltigkeit und Zero Waste, also das Vermeiden von Abfällen - das sind ihre Themen.

Ihre Wohnung ist 59 Quadratmeter groß, die Wände sind weiß gestrichen und es hallt leicht. Fotos oder Deko sind rar, dennoch kommt durch kleine Details Persönlichkeit und Leben in die Wohnung.

Das Zuhause der 30-Jährigen ist sparsam eingerichtet, aber man fühlt sich trotzdem wohl. Über die Erwartungshaltung von Besuchern können sich Anne und ihr Mann amüsieren: "Manche kommen rein und meinen dann, dass wir gar nicht so wenig haben. Andere finden, hier sieht es sehr leer aus."

Von außen wirkt ihr Leben ganz normal.

Anne hat vor Kurzem noch als Innenarchitektin in einem Naturkostladen gearbeitet und nimmt sich jetzt für ein Jahr frei. Daniel arbeitet als Kundenbetreuer für eine Softwarefirma in der Region.

Doch wenn man hinter die Kulissen schaut, entdeckt man, dass beide vieles in ihrem Alltag hinterfragen und dass sie versuchen, nachhaltig und einfach zu leben.

Dabei denken sie meist unkonventionell und merken: Oft ist die einfachste Lösung die beste.

Beim Thema Seife zum Beispiel, wie Daniel in unserem Audio erzählt.

Später meint Daniel zu Anne: "Du kannst dann noch unser Glas zeigen."

Da drinnen steckt immer der Abfall eines ganzen Jahres, weshalb es im Moment noch ziemlich leer ist.

Seitdem ihr Sohn Lars auf der Welt ist, versuchen sie, auch hier bewusst einzusparen und sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Gewickelt wird mit Stoffwindeln, statt eines Babyhandtuchs verwenden sie ein normales. "Was süß ist, aber man einfach nicht braucht, kaufen wir nicht", erzählt Anne.

Aber wie ist das, wenn die Großeltern gerne zur Geburt etwas schenken möchten oder wenn das Kind nach mehr Spielzeug verlangt? Im Video oben erzählt Anne, wie sie sich das vorstellen könnten.

Weil Anne wissen will, was drin ist, macht sie ihre Zahnpasta längst selbst. In unserer Audioslide zeigt sie, wie es geht.

Wer es Christof Herrmann und den Tieselers gleich nachmachen will, muss nicht sofort die große Lösung anstreben und das komplette Leben auf den Kopf stellen. Kleine Schritte sind ein guter Anfang.

Wir haben im Video einen kleinen Leitfaden zusammengestellt:

SamSon: Michael Richter

Michael Richter

SamSon-Mitarbeiter
kontakt@samson-magazin.de

...hat daheim auch noch so manche Schublade auszumisten...