Samson: Busdoktor Karl Wenker

Der Bus-Doktor

In Fürth wird kranken Bullis geholfen

Freudig wackelt

Momo über den Hof.

Weil ihm vier Zähne fehlen, hängt seine rosa Zunge zu einer Seite aus dem Mund. Er ist ein alter Herr, ein Original und unverwüstlich.

Genau wie seine großen Mitbewohner: die Bullis.

Momo ist der Werkstatthund von Karl Wenker.

Und Karl Wenker ist der Bus-Doktor.

Bremen, Hamburg, Berlin, Bautzen, Düsseldorf, Köln: Aus ganz Deutschland reisen Karls Kunden nach Fürth. Warum? Wenker spricht von Karma. Seine Philosophie: "Wir stellen uns nicht hin und sagen, geht nicht, bloß weil drei andere gesagt haben, geht nicht."

Der erste Bus der T-Serie von VW - DER Bulli - wurde vor genau 70 Jahren erfunden und rollt mittlerweile in der sechsten Generation. Längst ist er eine Ikone der Automobil-Geschichte. Damals hätte niemand gedacht, dass die Busse so alt werden.

HISTORIE:
  • 1947 skizziert der holländische Autohändler Ben Pon einen Lieferwagen, dessen Silhouette deutlich den späteren T1 (Transporter1) erkennen lässt.
  • Den Hype um den neuen Transporter verfolgt auch Heinrich Nordhoff, der in Wolfsburg die Geschicke von Volkswagen leitet.
  • 1950 rollen die ersten Bullis von VW auf die Straße.
  • Ihre technischen Besonderheiten: Frontlenker, luftgekühlter Boxer-Heckmotor, dazwischen eine glatte Ladefläche - vielseitig, wendig und fast 100 km/h schnell.
SamSon in der Werkstatt des Bus-Doktors Karl Wenker

Für viele Fahrzeuge ist der Bus-Doktor in der Benno-Strauß-Straße die letzte Rettung.




Samson Bus-Doktor Wenker

Dass sie heute noch fahren, verdanken viele Fahrzeuge Karl Wenker. Der Mann war schon immer ein Bastler. Sein erstes Auto: Ein Citroën Traction Avant, Baujahr 1949.




Samson: Busdoktor Karl Wenker 2

Und warum Busse?

"Mitte der 1980er Jahre haben mein Bruder und ich die Schule abgeschlossen und hatten einen Wunsch frei. Wir wünschten uns einen Fensterbus, den wir dann selbst ausbauten. Der Bus hat uns überall hin gebracht. Es waren die schönsten Urlaube, die man sich vorstellen kann."




SamSon in der Werkstatt von Bus-Doktor Karl Wenker

Vor 20 Jahren machte er sein Hobby zum Beruf, als Ein-Mann-Betrieb in seiner Garage. Heute beschäftigt Karl 15 Mitarbeiter, die im Jahr bis zu 600 Busse durchchecken. Wolfgang, sein dienstältester Mitarbeiter, hat goldene Hände, sagt sein Chef.




SamSon in der Werkstatt des Bus-Doktors Karl Wenker

Als die Mechaniker eines Morgens in den Hof kamen, hing dort dieses Schild neben der Tür, auf dem stand: Bus-Doktor. Ein Kunde, überglücklich über die Reparatur seines Fahrzeugs, hatte Wenker kurzerhand seinen Namen verpasst. Und der behielt ihn.




Samson: Busdoktor Karl Wenker

Mit seinem eigenen T3 Syncro kommt er gerade aus Kroatien. Bald begeben sich die beiden wieder auf Ersatzteiljagd. Die Teile bekommt er von Kollegen oder Privatpersonen - oder direkt von VW, zum Testen, bevor die Hersteller sie neu auflegen. Mit den Chefs des VW-Nutzfahrzeuge-Stammwerks in Hannover ist er per Du.




Samson: Bus-Doktor Karl Wenker

Ein Kunde drückt dem Meister seinen Schlüssel in die Hand.




Samson Werkstatt Bus-Doktor Karl Wenker

Nein, diese Karosserie landet nicht auf dem Schrott. Bis nächsten März wird der Bus wieder wie neu aussehen.




Samson beim Bus-Doktor Karl Wenker

Mit der ernsten Miene eines Oberarztes verkündet der Bus-Doktor die Diagnose. Um seine Kunden kurz darauf lächelnd wieder aufzubauen. "Das kriegen wir schon hin." Eine Vorsorgeuntersuchung pro Jahr empfiehlt der Fachmann.




SamSon in der Werkstatt des Bus-Doktors Karl Wenker

Das passiert bei einer Restauration:

Zuerst kommt der Bus in die Waschhalle und wird dort mit hoher Hitze und hohem Druck dampfgestrahlt. Dabei fallen alle losen Teile, Dreck und Farbe herunter. Dann schaut der Bus-Doktor gemeinsam mit dem Kunden seinen Patienten an: Was muss gemacht werden? Womit anfangen? Anschließend entfernen die Mechaniker Technik und Blechkleid, bevor sie die Karosserie sandstrahlen.




SamSon in der Werkstatt des Bus-Doktors Karl Wenker

Motoren und Getriebe basteln die Mitarbeiter komplett selbst. Wolfgang arbeitet an einem 1,6 Liter Turbo-Diesel-Motor, dem mittlerweile am häufigsten vertretenen im VW T3. Sobald er fertig ist, wird der Motor ein neues Leben vor sich haben.




SamSon beim Bus-Doktor Karl Wenker

Den Moment, wenn beides zusammen wieder eingebaut wird, nennen sie die Hochzeit.




SamSon in der Werkstatt des Bus-Doktors Karl Wenker

Wenkers Ersatzteillager ist seine Lebensversicherung. Hier lagern Vorräte für über zehn Jahre.




SamSon in der Werkstatt des Bus-Doktors Karl Wenker

Drei Millionen T3 baute Volkswagen, bevor die Produktion eingestellt wurde. 2016 waren 250.000 angemeldet. Wie lange werden die Busse noch laufen? "Die meisten, die da sind, werden erhalten. Da wird richtig Geld investiert. Teilweise den Wert übersteigend. Sie sind eben zum Kult-Objekt aufgestiegen", sagt Wenker.




Samson Werkstatt Karl Wenker

Da der Werterhalt von Fahrzeugen zunehmend an Bedeutung gewinnt, beherrschen die Fürther Mechaniker neben dem Restaurieren die Kunst des Konservierens, bei der die Hohlräume eines Fahrzeugs gegen Rost behandelt werden. Der Bus wird sozusagen haltbar gemacht. Carlofon - ehemals Dinol, Hersteller von Versiegelungssprays, empfiehlt den Bus-Doktor als Fachbetrieb auf seiner Website.




SamSon in der Werkstatt des Bus-Doktors Karl Wenker



SamSon in der Werkstatt des Bus-Doktors Karl Wenker



Samson bei Busdoktor Karl Wenker

Etwa 50 VWs stehen zur Zeit auf oder rund um Wenkers Gelände im Fürther Süden. Das sind vergleichsweise wenig. Es ist Herbst.




Samson bei Karl Wenker Bus-Doktor

Die meisten Bulli-Fahrer melden ihre Fahrzeuge vor dem Winter ab und stellen sie für den Winterschlaf irgendwo unter. Im Frühjahr wird sich in der Benno-Strauß-Straße wieder Gefährt an Gefährt reihen. Bus-Allee nennen die Nachbarn die Straße dann.




Samson Julia Hornung

Julia Hornung

Text
kontakt@samson-magazin.de

...wär am liebsten sofort eingestiegen und losgefahren.

Stefan Besner für SamSon

Stefan Besner

Fotos und Video
kontakt@samson-magazin.de

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