Dreamcar für SamSon

Das ist kein Auto - das ist ein Traum

Also es ist so: Ich bin zwar ein Mädchen. Aber eins, das immer schon ein Faible hatte für Dinge, die möglichst laut sind und irrsinnig nach Benzin riechen. Ich weiß noch sehr gut den Moment, in dem ich als junges Ding dem Vater meinen Lebenstraum verriet: "Wenn ich groß bin, dann fahre ich einen Porsche." Kupfer-metallic sollte er sein, mit zerschlissenen, cremefarbenen Ledersitzen. Der Vater lächelte milde. "Dann, Tochter", sprach er, "sieh mal zu, dass du Geld verdienst."

Jetzt, ungefähr 20 Jahre später, verdiene ich Geld, aber wie vom väterlichen Orakel vorhergesehen ist der Autotraum ein Traum geblieben.

Doch das ist nicht so furchtbar schlimm.

Denn wann immer mir der Sinn danach steht, kauf ich mir ein Stück vom Glück. Dann fahr ich Mustang, Caddy, Fairlane. Genieße das Röhren aus längst vergangenen Zeiten, berausche mich am Wind und am Geruch und an den Blicken.

Und bin für ein paar Stunden maximal prominent.

Wie das geht?

Ganz einfach: Auf in die Ostendstraße! Denn hier hat sich vor wenigen Jahren das Unternehmen "Dreamday with Dreamcar" niedergelassen. Das ist auf amerikanische Klassiker spezialisiert und weist eine ausgezeichnete Besonderheit auf: Wer hier mietet, darf selbst ans Steuer.

"Ich hatte immer schon ein Faible für altes Kulturgut, das mich einfach mehr fasziniert hat als das neue Zeug", sagt Geschäftsführer Lukas Smolka und wirft dem weißen Ford Fairlane einen fast schon liebevollen Blick zu.

Das seltene Cabrio Baujahr 1959 steht in einer Garage am Ostring. Doch nicht etwa wie die meisten seiner Artgenossen, um monatlich geputzt und zu besonderen Anlässen auch einmal gefahren zu werden. Sondern, um möglichst vielen Menschen einen schönen Tag zu bereiten.

Und das steht zur Auswahl:

Sieben dieser Classic Cars - Pink Cadillac und Fairlane, ein roter Ford Mustang (1967), ein schwarzes Ford Mustang Cabrio (1965), ein Chevrolet Bel Air (1957) und ein dunkelgrün-metallic-farbener Dodge Charger (1968) sowie ein rotes Cadillac deVille Cabrio (1967) - befinden sich derzeit im Besitz des selbstständigen Unternehmers und seiner Freundin, der Architektin Virve Weigel. Um sie zu verleihen – und selbst zu fahren.

Eine emotionale Herausforderung

Was gar nicht so leicht ist, verrät der 36-Jährige. "Viele haben großen Respekt vor der Größe, sind dann aber bereits nach kürzester Einweisung völlig sicher", versichert Smolka. Doch auch für ihn stellte die erste Vermietung damals "eine emotionale Herausforderung" dar, verrät er schmunzelnd.

Der Herausforderung muss sich aber vor allem erst einmal der designierte Fahrer stellen. In einer verkehrsberuhigten Zone erfolgt die Einweisung: Der linke Fuß hat dank Automatik Pause. Wie üblich befindet sich der Blinker links vom Lenkrad, wie heutzutage gar nicht üblich rechts davon der Schaltknüppel. Betätigt man den, um zwischen Vor- und Rückwärtsgang, Leerlauf und Park-Modus zu wechseln, macht das ganze Auto einen deutlich spürbaren Ruck. Das käme vom riesigen Motor, erklärt Smolka.

Von dem kommt auch, dass bereits das erste Anrollen sich anfühlt, als schösse man in hohem Tempo davon. Der Caddy ist laut, die Technik alt, man ist mit dem Fahrzeug so viel stärker verbunden als mit heutigen Fahrzeugen, die einen kaum mehr spüren lassen, was eigentlich alles so passiert.

Höchst sensibel

Die Lenkung ist, anders als erwartet, höchst sensibel, ein bisschen, als würde man über die Straße schwimmen, was sich auch dadurch bedingt, dass die Bauweise des Autos ohne B-Säule auskommt und freie U-Boot-Sicht ermöglicht.

Die erste Runde haben nicht nur linker, sondern auch rechter Fuß Pause: Die angebliche Schrittgeschwindigkeit, die sich viel schneller anfühlt, reicht völlig aus, um sich zu gewöhnen an das ehrwürdige Schiff, dessen Abmessung zwar deutlich erkennbar, aber eben auch einfach nur riesig ist. Doch selbst die wenigen Autos im Gegenverkehr bremsen, bleiben stehen, winken lächelnd durch. Der Respekt vor dem Cadillac ist auf beiden Seiten groß.

Auch auf der Hauptstraße mit ihren unzähligen Schikanen wie Baustellen und anderen Verkehrsteilnehmern. Alles scheint sehr eng zu sein. Und sehr schnell, dabei zeigt der Tacho doch nur 30 an. "Das sind natürlich Meilen", lautet die Erklärung. Oh. Ach so. Dann lieber auf 15 abbremsen. Der Puls ist hoch genug.

25 Jahre alt muss der Fahrer mindestens sein, dann steht dem Fahrvergnügen nichts entgegen – außer einer zeitigen Buchung und der Bereitschaft, mindestens 190 Euro für das Fahrvergnügen zu investieren. Auf Hochzeiten erfreuen sich die Autos größter Beliebtheit.

Wer sich jetzt ernsthaft fragt, warum, der klickt am besten mal die Bildergalerien der Homepage und auf Facebook durch. Das hierbei aufkommende Bedürfnis, sofort zu heiraten, egal wen, Hauptsache mit einem dieser Autos – das ist dann wohl die Antwort.

Ob's jetzt für den schönsten Tag im Leben sein muss oder nur mal für ein paar Stündchen: mit dem Mustang über die Landstraße schießen; mit dem dicken Dodge lässig durch die City cruisen; sich als hochzeitsgewandetes Beiwerk aufs Foto neben den Fairlane schmuggeln. Oder einfach standesgerecht zur "Saturdaynight Cruise", der öffentlichen Riesenversammlung aller Classic-Car-Liebhaber in Nürnberg, sausen und einen Abend lang stolz so tun, als hätte man's dann doch zum eigenen Oldtimer geschafft.

Ich glaub, das mach ich mal.

Dreamday with Dreamcar
  • * Adresse: Ostendstraße 115
  • 90482 Nürnberg
  • Tel. 0157 – 73 36 83 30
  • * Buchung ab 3 Stunden
  • (unter der Woche) und schon ab 1 Tag am Wochenende (Fr, Sa, So)
  • * alle Oldtimer sind Vollkasko-versichert
Katharina Wasmeier für SamSon

Katharina Wasmeier

SamSon-Mitarbeiterin
kontakt@samson-magazin.de

...fährt! Und zwar ab auf diese alten Schlitten!