Auernheimer Dialekt

Ein Dorf rettet

seinen Dialekt

"Händ Ouwerd gibt's Gaggerli."

Wer diesen Satz nicht auf Anhieb versteht, der ist nicht alleine. Nur ein paar hundert Menschen beherrschen den Auernheimer Dialekt heute überhaupt noch. Höchste Zeit, ihn zumindest schriftlich für die nächsten Generationen zu erhalten. Der gebürtige Weißenburger Arthur Rosenbauer hat sich zusammen mit den Auernheimern daran gemacht, Wörter und Begriffe in einem Sprachatlas zusammenzufassen. Voraussichtlich im Juli wird das Wörterbuch erscheinen.

Die Geschichte der Sprachinsel Auernheim

Das kleine Dorf in der südlichen Frankenalb ist der höchst gelegene Ort Mittelfrankens. Auf 634 Metern liegt die knapp 700 Einwohner zählende Gemeinde auf dem Hahnenkamm. Fast vollständig umgeben ist Auernheim bis heute von einem nahezu undurchdringlichen Waldgürtel. Richtung Nordosten fällt der Hang steil Richtung Altmühltal ab. Auernheim war in seiner fast tausendjährigen Geschichte deshalb nur schwer erreichbar – und bewahrte sich seinen Dialekt über die Jahrhunderte.

Der Dialekt ist eine Mischung aus Schwäbisch, Fränkisch und Bayerisch – allerdings mit einer ganz eigenen Phonetik. Durch Exulanten sind auch englische und österreichische Einflüsse erkennbar.

Sowohl die Römerstraße, die zwei Kilometer weit weg lag, als auch andere Hauptverkehrsadern im Tal schleusten die Reisenden an den Dörfern auf dem Hahnenkamm vorbei. Der 6. September 1634 markiert jedoch einen großen Einschnitt in der Dorfgeschichte. Während der Schlacht von Nördlingen wurde die Bevölkerung von Auernheim im Dreißigjährigen Krieg nahezu ausgelöscht. Nur sieben Einwohner überlebten. Die Markgrafen schickten daraufhin Exulanten ins Dorf, die den Auernheimer Dialekt übernahmen.

Der Ort war in der Neuzeit bis 1960 nahezu abgeschieden vom Rest der umliegenden Gemeinden. Erst dann gab es eine Verbindungsstraße zur nächsten Stadt Treuchtlingen, die auch geteert war. Bald darauf wurde die Schule im Dorf geschlossen. Die Kinder mussten jeden Tag nach Treuchtlingen und wurden oftmals gehänselt wegen ihrer Aussprache. Die sprachliche Anpassung begann – und läutete damit das Ende des Auernheimer Dialekts ein.

Sprachinseln mitten in Franken

Bayerischer Sprachatlas

Interview:
  • Arthur Rosenbauer (59) begann im Januar 2014 zusammen mit den Auernheimern, ihren Dialekt zu Papier zu bringen
  • – erst- und einmalig in der rund tausendjährigen Geschichte des Dorfes.
  • Fast jeden Montag sitzt der gebürtige Weißenburger mit einer rund zehnköpfigen Gruppe Auernheimer zusammen, um den Sprachatlas zu vollenden.
Herr Rosenbauer, wieso wird es jetzt wieder populär, einen Dialekt zu pflegen und zu erhalten?

Arthur Rosenbauer: Alle Inseldialekte werden in Franken, aber sicher auch bundesweit vernachlässigt, da hier sehr viel Arbeit investiert werden muss und natürlich keine Gewinne zu erwarten sind. Die Unis sind mit der Fülle der Arbeit überfordert oder picken nur einzelne Themen heraus. Somit sind es die Heimatforscher, die hier Zeit und auch Geld investieren, um noch zu retten, was die Zeit übriggelassen hat.

Dialekt wurde durch verschiedene Einflüsse wieder hoffähig. Zum einen hat die Politik in der Schule den Wert des Dialektes, der ja sehr verpönt war, wiederentdeckt und wie eine Fremdsprache eingeführt. Zum anderen haben verschiedene Künstler den Dialekt als Hauptteil in ihr Programm mit aufgenommen und damit die Medienlandschaft beeinflusst, aber auch die Zuseher, Hörer und Leser wieder positiv mit Dialekt konfrontiert. Gerade die Franken haben mit ihrer Sprache ein neues Selbstbewusstsein entdeckt und sie wollen sich gerne von den Bayern absetzen - auch sprachlich.

Warum ausgerechnet Auernheim?

Für mich war Auernheim faszinierend, weil ich ja vor der Haustüre wohne und ständig damit konfrontiert bin. Die Dialekte im Umland Altmühltal, Weißenburger Becken, Nürnberg und die Sprachecke Gunzenhausen-Ansbach sind mir wohlvertraut. Dazu hat meine weit verteilte Verwandtschaft, aber auch meine Arbeit als fränkischer Liedermacher beigetragen. Auernheim hatte das Glück, dass ein Verwandter meiner Frau den alten Dialekt noch sehr gut beherrschte und ich bei Besuchen immer wieder fasziniert zuhörte.

Das Medieninteresse gibt Ihnen recht, dass Sie auf dem richtigen Weg sind. Wie viele Medien haben über Ihr Projekt berichtet?

Als erstes berichtete die Lokalzeitung darüber und auch der Bayerische Rundfunk. Als dann ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist, kamen auch andere Medien auf uns zu, so das ZDF, Wir in Bayern und der Radiosender Bayern 1.

Wie geht es nach dem Sprachatlas weiter? Immerhin gibt es ja rund um Auernheim noch zahlreiche andere aussterbende Dialekte...

In den nahegelegenen Orten Heidenheim, Hohentrüdingen und Spielberg-Gnotzheim haben sich tatsächlich noch einige solcher Sprachinseln erhalten. Sie liegen alle auf der Hahnenkammlinie und bilden dialektisch die Grenze zum schwäbischen Ries. Eine eigene Insel bildet der Jura - eine Hochfäche um Nennslingen-Raitenbuch. Hier hat sich ebenfalls ein sehr eigener Dialekt erhalten. Eine Unterhaltung zwischen Auernheim und Nennslingen ist fast unmöglich. Ich habe es bereits ausprobiert und bin auf sehr viel Unverständnis gestoßen - was auch recht lustig war.

Trotzdem glaube ich, dass ich mich erst einmal anderen Dingen widme, die ich vor dem Sprachatlas begonnen und erst einmal zur Seite gelegt habe. Vorerst gibt es also keine weiteren Planung für Dialektbücher.

Der Dialekt wird mich aber weiter begleiten- als fränk. Liedermacher bin ich immer damit verbunden. Vielleicht gibt es mal ein Auernheimlied, das dann wohl sehr chinesisch klingen wird.

Auszüge aus dem Lexikon

Infos zum Sprachatlas
  • * enthält 13.720 Wörter
  • * erscheint voraussichtlich im Juli 2015 im wek Verlag Treuchtlingen-Berlin
  • * kostet um die 15 Euro
SamSon: Katrin Wiersch

Katrin Wiersch

NN-Redakteurin

...hat in Auernheim nette Franken kennengelernt, obwohl sie sie kaum verstanden hat.