Tierheim Nürnberg

Vor Ort im Tierheim

Die Zwischenheimat

Die Oma stirbt und hinterlässt ihren Wellensittich, auf der Autobahn wird ein illegaler Tiertransport mit 20 Welpen gestoppt, eine halbverwilderte Katze hat in einer Hecke Junge bekommen. Für all diese Haustiere, die kein Zuhause haben, gibt es das Tierheim. Bis zu 500 an der Zahl sind es, die in Nürnberg in der Stadenstraße 90 Asyl finden, jährlich stranden rund 5000 hier. Leiterin Tanja Schnabel macht mit SamSon einen Rundgang.

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Erste Station: Miezmiezmiez

An diesem Vormittag unter der Woche ist es ruhig. Zuerst besuchen wir die Katzen. Das Katzenhaus ist hell und freundlich, der Raum ordentlich und sauber. Nach dem Umbau 2008 sind die Glasscheiben nicht nur auf Zustimmung gestoßen. "Aber wir bieten den Tieren genug Rückzugsmöglichkeiten."




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Das ist Haribo.

Er ist eine Fundkatze, nach der niemand gesucht hat. Der Kater hatte einen doppelseitigen Beckenbruch, der operiert werden musste. Langsam wächst das Fell hinten an der Flanke wieder nach. "Er ist ein lieber Kerl, aber auch ein wilder Rabauke mit dem Hang zu Liebesbissen. Darum geben wir ihn auch nicht ab an eine Familie mit Kindern unter zwölf Jahren", sagt Tanja Schnabel.




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Die Vermittlung

Wer sich für ein Tier interessiert, muss eine Selbstauskunft ausfüllen. Die dient auch der Selbstreflexion: Weiß ich, welches Tier zu mir/uns passt - und kann ich ihm auch den geeigneten Lebensraum bieten? Die Mitarbeiter überprüfen außerdem vor Ort, ob die Angaben korrekt sind. Nicht dass jemand angibt, einen Garten zu haben, obwohl das nicht der Fall ist...




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Schnell weg hier?

"Die Katzen bleiben im Schnitt vier Wochen bei uns, dann haben wir sie vermittelt", erklärt Tierheimleiterin Tanja Schnabel. Wurden sie als Fundtier abgegeben, müssen sie mindestens zehn Tage ausharren - der Besitzer könnte sich ja noch melden.




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Mein Tellerchen ist leer!

Die Tiere füttern und pflegen, die Räumlichkeiten hygienisch sauberhalten - für all das sorgen 28 Festangestellte an sieben Tagen die Woche. 100.000 Euro werden allein verfressen - und die Tiere brauchen immer öfter aus Krankheitsgründen Spezialnahrung, weshalb Futterspenden nur bedingt hilfreich sind. "Wir bieten aber Futterpatenschaften an." Überhaupt sind die Spenden- und Hilfsmöglichkeiten vielfältig. Doch dazu kommen wir später.




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Zutritt verboten!

Der SamSon-Fotograf durfte keinen Fuß in die Tür setzen, denn in der Krankenstation herrschen strengste Quarantäne- und Hygienevorschriften. Vor allem Welpen aus illegalem Handel haben oft Parvovirose, eine hochansteckende und akut verlaufende Infektionskrankheit von Hunden. Aber auch Hunde ohne Tollwutimpfung müssen längere Zeit in Quarantäne, ein Tier aus einem nicht gelisteten Drittland wie etwa der Türkei ganze sechs Monate.




Jetzt geht es zu den Hunden.

Dafür müssen wir rausgehen. Denn drinnen werden die Behausungen der Vierbeiner gerade gereinigt. Und kaum geht man durch die Tür ins Freie, ist die Ruhe dahin. "Wir müssen unser Gespräch später fortführen", sagt Tanja Schnabel. Eine Begründung ist nicht notwendig. Wenn Sie hören möchten, wie unterschiedlich sich kleine und große Hunde anhören, dann klicken Sie auf den Playbutton rechts.

Hunde bleiben in der Regel ein wenig länger als Katzen. "Klar, die netten einfachen, die sind nach einer Woche wieder weg", sagt Tanja Schnabel. Aber die mit Verhaltensauffälligkeiten... Doch auch hier gilt: Jedes Töpfchen hat sein Deckelchen. Als Tanja Schnabel 2016 den Leitungsposten übernahm, waren 20 Hunde über ein Jahr hier. "Jetzt sind es nur noch fünf, und für drei gibt es Interessenten."

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Das sind Cliff und Candy.

Die Jack-Russell-Mischlinge wurden über ein Kleinanzeigenportal vermittelt und illegal eingeführt. Das heißt: Sie hatten keine gültige Tollwutimpfung. Ursprünglich waren die Hübschen zu dritt. Ein Welpe ist gestorben.




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Schwer vermittelbar

Ein nicht ganz einfach zu vermittelnder Kandidat ist zum Beispiel Hugo, eine argentinische Dogge. Sein tiefes Bellen ist jedenfalls sehr beeindruckend. In der bayerischen Hundeverordnung wird diese Rasse als Listenhund geführt, das heißt "eine Gefährlichkeit wird vermutet". Tatsächlich musste Hugo seine Familie verlassen, weil er nach der Tochter geschnappt hat. Voraussetzung für die Vermittlung: Der künftige Besitzer muss einen Wesenstest mit Hugo absolvieren.




Chihuahuas suchen ein neues Zuhause

Gassi? Jetzt? Juhu!

Natürlich freuen sich die kleinen und großen Kläffer, rund 60 sind es übrigens gerade, auf eine Runde Gassi. Doch auch dafür sowie für Besuche überhaupt gibt es feste Zeiten und Regeln - aus gutem Grund: "Wir sind ein mittelständisches Unternehmen und brauchen eine durchorganisierte Struktur, sonst funktioniert das nicht", erklärt die Tierheimleiterin. Schließlich gilt es, feste Fütterungs- und Putzzeiten sowie Tierarzt-Termine einzuhalten.




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Dritte Station: Kleinvieh macht auch Mist

Normalerweise hoppeln und huschen hier vor allem Kaninchen durchs Gehege. So ungefähr 30 Stück sind es gerade, dazu kommen sechs Chinchillas, ein paar Meerschweinchen, Frettchen und Degus.




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Die Schweinerei mit illegalen Transporten

Aber gerade dominieren vor allem Ratten und Mäuse. Denn im Oktober wurde bei Amberg Deutschlands bislang größter illegaler Tiertransport aufgegriffen mit rund 7000 Lebewesen, neben den Nagern auch streng geschützte Exoten wie Chamäleons und Axolotl. Sie wurden auf bayerische Tierheime verteilt, allein 140 Ratten kamen nach Nürnberg.




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Die Ratte, das Traumhaustier

Für Tanja Schnabel ist die Ratte übrigens als Kinderhaustier "überragend". Kaninchen und Meerschweinchen sind zwar optisch flauschig, "Kuscheltiere sind es aber nicht". Im Gegenteil. Die Ratte dagegen ist neugierig, sozial, baut eine Bindung zum Menschen auf und liebt es, überall dabei zu sein. "Die Kinder wollen doch mit den Tieren was anfangen und nicht nur den Käfig saubermachen."




Tierheim Nürnberg

Trauriges und Schauriges

Die Mitarbeiter des Tierheims können Geschichten erzählen, die einem am Guten im Menschen zweifeln lassen. Ob Hunde, Katzen, Vögel oder Nagetiere - es gibt keine Tierart, die nicht auch gequält, vernachlässigt oder komplett falsch behandelt werden könnte. Eines der jüngeren Beispiele sitzt hier: Zusammen mit einer zweiten Farbmaus wurde sie in einem Turnbeutel im Park halb verhungert und halb erfroren gerade noch rechtzeitig gefunden.




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Station vier: Jetzt wird gezwitschert

Und natürlich dürfen unter den heimatlosen Haustieren auch die Ziervögel nicht fehlen, Favoriten sind Zebrafinken und Wellensittiche.




Ein Tag mit dem Tierheim Notdienst / Petra Böhner

Immer im Einsatz

Manchmal ist es der Einsatz nachts um drei auf der Autobahn, manchmal müssen Tiere aus komplett verwahrlosten Haushalten gerettet werden: Der Tierheim-Notdienst, hier sitzt Mitarbeiterin Petra Böhner am Steuer, ist nachts, am Wochenende und feiertags unter der Notrufnummer 0160/25 24 332 erreichbar. "Unser Job ist psychisch belastend", sagt Tanja Schnabel. "Wir schaffen das nur zusammen, als Team."




Tierheim Nürnberg Eichhörnchen

Flaschenkinder

Jetzt über den Winter ist es relativ ruhig, "aber mit dem Frühjahr kommen die Jungtiere", sagt Tanja Schnabel. Es gibt zum Beispiel immer mehr halbwilde Katzen. "Für einen Unkostenbeitrag von 25 Euro fängt sie unser Notdienst ein, dann werden die Tiere kastriert." Aber auch Wildtier-Babys wie dieses Eichhörnchen müssen manchmal gehätschelt werden, bis sie wieder in die Freiheit entlassen werden können. "Dann nehmen wir ein Flaschenkind für kurze Zeit auch mal mit nach Hause zur Betreuung."




Spenden sind lebensnotwendig

Personal-, Tierarzt-, Futterkosten undundund - das Tierheim braucht jährlich zwei Millionen Euro, die durch Spenden und Erbschaften zusammenkommen. Die Stadt zahlt lediglich auf Basis eines Fundtiervertrags 225.000 Euro. Über Sach- und Geldspenden spricht Tanja Schnabel im Audio.

So können Sie u.a. helfen:
  • * Mitgliedschaft im Tierschutzverein (rund 5000 Mitglieder); Mindestbeitrag: zehn Euro/Jahr, keine Verpflichtungen
  • * Futterpatenschaften
  • * testamentarisches Vermächtnis
  • * Amazon Spendenliste, u.a. mit Spezialfutter

Süüüüüß!!!

Auch mit dem Kauf des Tierheim-Kalenders tut man ein gutes Werk. Fotograf Thomas Hahn hat ausschließlich Models vor Ort gewählt und bezaubernde Augenblicke festgehalten. Der Erlös kommt zu 100 Prozent dem Tierschutzverein zugute. 14 Euro kostet das A4-Format, 20 das Format A3.

Kathrin Walther

SamSon-Redakteurin
kathrin.walther@samson-magazin.de

...hat schon Hund und Meerschweine - aber so eine süße kleine Katze...?

Stefan Hippel

NN-Fotograf
kontakt@samson-magazin.de

...hat einfach zu wenig Zeit und geht deshalb tierlos durchs Leben.