Heiner Müller

Club-Meisterspieler

Am 21. Juni 1961 geht es für den 1. FC Nürnberg in Hannover um den Titel. Den Nachweis, der eine Fußballmannschaft als beste Deutschlands exponiert. Der Club hat sich diesen Titel schon siebenmal auf den Briefkopf gedruckt. An einem sorgenfreien Sommertag glückt gegen Dortmund der achte, vorerst vorletzte Eintrag.

82.000 sind im Niedersachsenstadion, als Kurt Haseneder den FCN mit einem phänomenalen Flugkopfball früh in Führung bringt. Kurz vor dem Kabinengang ist es Heiner "Heini" Müller, der eine Strehl-Flanke zum 2:0 verlängert. Nach der Pause revanchiert sich der spielstarke Dauerläufer bei Nürnbergs Torjäger, bricht auf dem linken Flügel durch und leistet die Vorarbeit zum 3:0.

"Lieber Gott. Lass, dass ich morgen nicht der Schlechteste bin", hatte Heiner am stillen Vorabend des lauten Finales gebetet. Tags darauf gehört er zu den Besten. "Ich habe mir was zugetraut. Es ist bombig gelaufen", bekräftigt der Meistermacher. Der Mann, der nach seiner Rückkehr von der ganzen Stadt gefeiert wird - mit 27 Jahren fast schon ein Oldie ist in Nürnbergs Erfolgself. Der Ballartist, der von klein auf davon geträumt hat, "einmal im roten Trikot zu spielen".

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"Das war das Spiel meines Lebens." Auf dem Papier als Karrierehöhepunkt markiert, liegt die Partie, die Heiner Müller hervorhebt, über 50 Jahre zurück. Wenn der frühere Halbstürmer jedoch von damals erzählt - vom Finale um die Deutsche Meisterschaft, fesselnd und facettenreich - wird aus 1961 Gegenwart. Man sitzt nicht mehr in Roth am Küchentisch. Sondern in der Zeitmaschine. Landet mit Heiner in Hannover.

"Wir haben gefußballt, bis die Mutter Wadenwickel gemacht hat."

Für den Club, der sich seitdem nur allzu oft zwischen Traum und Trauma, Paradies und infernaler Tragik hin- und her bewegt. Den Club, dem Müller dennoch noch heute die Treue hält. Doch der junge Heiner träumt nicht nur. "Wir haben gefußballt, bis die Mutter Wadenwickel gemacht hat." Erzählt Roths Vorzeigefußballer, der halblinks und im direkten Gespräch zum glänzenden Unterhalter reift, aus seiner Kindheit. Einer Kindheit in Lima, der Hauptstadt Perus. Dort, wo der Vater für MAN den Omnibusverkehr aufbaut. Wo das Lieblingshobby seiner Generation kein anderes ist als in der fränkischen Heimat.

Zurück in dieser empfiehlt sich der sympathische Stürmer für sein Club-Engagement. Als treffsicherer Publikumsliebling beim TSV Roth. Über die Amateurmannschaft des FCN und die Reserve dient sich der technisch versierte Youngster nach oben. Am Karsamstag 1956 beordert ihn "Bimbo" Binder erstmals in die Startformation. Und Heiner nutzt seine Chance. Nach einer Herbolsheimer-Hereingabe nimmt er den Ball volley, trifft per sehenswertem Seitfallzieher. "Ich habe die Augen zugemacht und der war drin gehängt. 25.000 haben gejubelt", erinnert sich der vitale Club-Veteran, wie es im zugigen Zabo zum ersten Mal müllert.

"Nach dem Spiel gab's ein Essen. Da sagte man mir: 'Wenn du fertig bist, gehst du mal rauf auf die Geschäftsstelle.' Da lag der Vertrag."

Heiner Müller (links) und Josef Zenger nach dem Endspiel zur Deutschen Meisterschaft 1961.

Dreimal werden Heiner und Nürnbergs Hurra-Fußballer in Folge Süddeutscher Meister. 1962 - ein Jahr nach dem Mega-Coup - Vizemeister, 1963 Pokalsieger. Als der engagierte Antreiber im Sommer '67 die Fußballschuhe an den Nagel hängt, findet das auch Max Merkel schade: "Wenn es eine Verjüngungsspritze gäbe, würde ich dir eine aus eigener Tasche bezahlen", liest man in dessen Buch "Mit Zuckerbrot und Peitsche".

Eine Vielzahl von Erinnerungsstücken befinden sich in Heiners gepflegtem Haus – auch von Club-Reisen in fremde Länder – entsprechend der Vielzahl seiner Erinnerungen. Einen Auftritt im FCN-Dress hat sich Nürnbergs Meisterspieler gewünscht. 313 sind es geworden. Darunter das Spiel seines Lebens.

SamSon: Andi Pöllinger

Andreas Pöllinger

nordbayern.de-Mitarbeiter

...ist in den Top 10 der Club-Historiker nach eigener Einschätzung mindestens auf Platz 13.